Da es bis zur Fertigstellung des aktuellen Safari-Tagebuches wohl noch ein bisschen dauern wird, hier noch einmal das Safari-Tagebuch von 2010, zumal mir einige sagten, dass sie es noch nicht komplett gelesen hätten.

 

Safari-Tagebuch 2010 des MTT-Dresden

 

22.4.10 - Donnerstag

 

Nach der großen Pleite vom Montag, als unser Flug infolge der Vulkanaktivitäten gestrichen worden war, nahmen wir am Donnerstag den zweiten Anlauf, um nach Ägypten zu unserer diesjährigen Safari zu reisen.
Pünktlich um 3 Uhr morgens stand mein Taxi vor der Tür. Es ist immer gut, wenn man nebenberuflich als Taxifahrer tätige Studenten kennt, so hat man keine Probleme, zu unchristlichen Zeiten auf den Flughafen zu kommen. Unterwegs holten wir noch Jens-Schwerelos von zu Hause ab und waren dann rechtzeitig gegen 3:45 Uhr auf dem Flughafen.
Auf dem Flughafen merkte man noch deutlich die Einschränkungen der letzten Tage. Außer bei Air Berlin waren kaum Reisende an den Schaltern zu sehen. Der erste Eindruck war zwar durch eine lange Schlange geprägt. Das relativierte sich aber schnell, denn diese eine "Air–Berlin-Schlange" teilte sich am Ende auf sechs Abfertigungsschalter auf, so dass man ständig vorwärts rückte. Leider gilt am Dresdner Flughafen jedes Tauchgepäck als Sperrgepäck. Dadurch mussten alle, nachdem sie die Flugpapiere erhalten hatten, mit ihrer Tasche zur Sperrgepäckannahme, was sich durch die nach einem wartenden Reisenden etwas schwierig gestaltete. Danach war für die Raucher aber immer noch genug Zeit, um vor dem Betreten des Transitraumes vor dem Flughafen Eine zu rauchen. Danach wurden alle beim Betreten des Transitraumes einer intensiven Kontrolle unterzogen, da die vielen technischen Dinge, die ein Taucher im Handgepäck mitnimmt, die Sicherheitsbeamten zu größerer Sorgfalt inspirierten. Aber schlussendlich war auch das geschafft und es ging fast pünktlich um 6:05 Uhr ab in Richtung Hurghada. Gut, dass sich noch einige gekümmert hatten, dass die, die über Erfurt fliegen sollten, auch mit ab Dresden fliegen konnten, denn es waren selbst durch diese Umbuchung von neun Personen noch etliche Plätze in unserem Flieger frei.
Nach knapp vier Stunden Flug landeten wir um 9:50 Uhr in Hurghada. Und schon auf dem Rollfeld wurde klar, auch hier hat es durch das Flugverbot etliche Veränderungen gegeben. Außer unserem Flieger war lediglich eine weitere Maschine zu sehen. Selbst die Abflughalle war fast leer. Ich hatte hier Tausende in Feldbetten lebende, gestrandete Reisende erwartet. Wir kamen überraschend schnell zu unserem Gepäck   auch die Gepäckleute hatten nichts zu tun   und glücklicherweise fehlte bei Niemandem etwas.
Danach empfing uns gleich ein Vertreter von "Golden Dolphin", bei denen wir das Schiff gechartert hatten, um uns die Visumaufkleber zu geben. Wie gesagt, dieser Teil verlief sehr zügig und entspannt, da unsere Maschine die einzige ankommende auf dem Flughafen war.
Vor dem Flughafen empfing uns dann Rudi   unser Tauchguide für diese Woche   und es ging mit dem Bus nach einem kurzen Abstecher ins Büro von Golden Dolphin auf die Fahrt nach Marsa Alam. Die Entfernung von Hurghada beträgt etwa 250 Kilometer, was bei ägyptischen Straßenverhältnissen etwa vier Stunden Fahrt entspricht. Das Boot war so weit unten im Süden, da wir ja ursprünglich eine Tour von zehn Tagen machen wollten. Dieser Umstand ließ sich nun leider nicht mehr ändern, aber durch den Direktflug waren wir immer noch zeitig genug am Hafen, um am gleichen Tag noch in See stechen zu können.
Die "Volkszählung" durch den Hafenmeister verlief kurz und schmerzlos. Nach fünf Minuten konnten wir zum ersten Tauchplatz abfahren. Der Check-Dive fand, wie bei jeder Safari die von Marsa Alam startet, am Shaab Marsa Alam statt. Ein flacher Tauchplatz, bei dem in 10 bis 15 m Tiefe Sandboden ansteht und der damit sehr einfach zu tauchen ist. Am Riff selbst gibt es verschiedene Kanäle durch das Riff und es gibt das Wrack eines Safari-Bootes, was aber mittlerweile in einem recht schlechten Zustand ist. Sehr spektakulär war das, was wir sahen nicht, was nicht nur an der mittelprächtigen Sicht lag. Einen Blaupunktrochen beim Abendbrot und eine kleine Moräne waren auch schon die Höhepunkte. Für mich persönlich war es aber der Zeitpunkt, dass ich merkte, dass jetzt wirklich Urlaub ist. Nach 40 Minuten waren wir wieder aus dem Wasser und genossen anschließend das Abendbrot.
Im Anschluss hieß es "Leinen los" und wir fuhren Richtung Daedalus Reef. Auf dem Boot gab es noch die üblichen Einweisungen und Belehrungen. Da wir aber schon recht lange auf den Beinen waren, fiel es allen schwer, den Ausführungen zu folgen, und so war es nicht verwunderlich, dass Alle mehr oder weniger zeitig ins Bett fielen.

 

23.4.10 - Freitag

 

In der Nacht nahm der Seegang noch deutlich zu. So wurde ich von einer Welle, kurz bevor wir Daedalus Reef erreichten, aus dem Schlaf gerissen, bei der ich dachte, jetzt kentert das Boot. Dabei hatte ich noch Glück, denn außer dieser einen Welle habe ich nicht viel von der nächtlichen Fahrt mitbekommen. Das war bei Einigen anders, die sichtlich weniger schlafen konnten als ich. Bei Einigen hatte der Seegang zu blauen Flecken und leichten Beulen geführt, da sie halb aus den Betten geworfen worden waren. Alles in allem jedoch Kollateralschäden...
Pünktlich um kurz nach 5 Uhr kam der Weckruf. Das Briefing fand kurz darauf bei einer Tasse Kaffee und einem kleinen Snack statt. Rudi konnte es nicht lassen, während des Briefings auf die Geschichte der abgetriebenen Taucher aus unserer Gruppe von vor zwei Jahren zu erinnern. Alle gelobten, es diesmal besser zu machen, und los ging es mit den Schlauchbooten auf die nordöstliche Seite des Riffs.
Beim Tauchgang selbst konnte man zumindest alles sehen, was man von einem Tauchgang am Daedalus Reef erwartet: Hammerhaie, Weißspitzenhaie, Schildkröten... Leider war aber die meisten Tiere entweder weit weg oder viel tiefer, so dass Fotos oder das Filmen schwer oder gar nicht möglich waren. Ich persönlich fand, dass es sich dennoch gelohnt hat, und freute mich nach dem 45-minütigen Tauchgang aufs Frühstück. Nach zwei Stunden ging es dann zum zweiten Tauchgang des Tages. Dieser fand an der Südseite des Deadalus Reefs statt. Gleich zu Beginn sahen wir zwei Delfine, die an uns vorüber zogen. Leider hatten sie keine Lust zum Spielen und waren schnell vorbei. Für ein Foto hat es zwar noch gereicht, aber für mehr leider nicht. Kurz darauf kamen wir an einer Moräne vorbei, die zwar nicht übermäßig groß war, jedoch dafür um so schöner ihr Maul aufriss. Entlang der Südseite zeigte sich dann auch noch der große Napoleon, der schon ewig im Bereich des Steges zum Leuchtturm wohnt. Mir scheint, er wird von Jahr zu Jahr größer. Ein jagender Schwarm großer Thunfische rundete diesen Tauchgang ab. Einige von unseren Mittauchern hatten dann noch das Glück, einen Fuchshai direkt unter dem Safariboot sehen zu können.
Nach dem Mittag versuchten die Meisten dann, das Schlafdefizit der Nacht nachzuholen, und legten sich erst einmal hin. Gut erholt durch den Schlaf machten wir uns dann mit dem Schlauchboot auf an die Südwestseite des Deadalus. Vorn angekommen sprangen wir ins Wasser und landeten buchstäblich auf dem ersten Hammerhai. Haymo hatte noch gar nicht die Kamera an, da wollte der Hai ihn schon "küssen". Ich war noch ein wenig weiter weg, konnte zumindest aber ein Foto machen (leider ohne Haymo). Gleich darauf folgten noch drei weitere Sichtungen eines Hammerhais   keine Ahnung, ob es derselbe war   jedenfalls immer wieder schön. Auf dem Weg Richtung Süden begegnete uns dann noch eine größere Schildkröte, die zur Freude aller Tauchgruppen immer hoch und runter am Riff tauchte, so dass sie wirklich von jeder Gruppe gesehen werden konnte. Der Tauchgang wurde abgerundet von einem größeren Barrakuda in der Putzerstation und von einer größeren Thunfischgruppe.
Danach machten sich Einige auf den Weg, den Deadalus-Leuchtturm zu besuchen und ein paar T-Shirts zu kaufen. Trotz aller Warnungen und Sorgfalt gelang es der Leuchtturmbesatzung wieder, ein Deadlaus-T-Shirt zu verkaufen. Scheinbar sind selbst zwei Jahre später noch einige von denen im Umlauf. Zumindest hat sich aber die Anzahl der richtigen T-Shirts erhöht. Hatten wir vor zwei Jahren keines, bei dem es richtig geschrieben war, waren es jetzt immerhin schon 80 %. Mal sehen, wie das in zwei Jahren ist…
Als Tauchabschluss führten wir dann noch einen Dämmerungstauchgang durch, bei dem es dann noch ein paar Barrakudas und einen Zackenbarsch zu sehen gab. Letzterer wollte sich aber partout nicht anschauen lassen und versteckte sich ständig in den Weichkorallen.
Zum Abendbrot gab es leckeres, selbst gebackenes Schwarzbrot, was der Koch unter Anleitung von unserer Rita aus den mitgebrachten Backmischungen zauberte. Ganz hervorragend! Von da an konnten wir fast zu jeder Malzeit frisches, noch warmes Brot genießen.
Nach dem Abendbrot ging es dann in Richtung Elphinstone. Bemerkenswert für diesen Tag war, dass wir die ganze Zeit die Einzigen am Deadalus Reef waren. Ein Umstand, den ich so noch nicht erlebt hatte.

 

24.4.10 - Samstag

 

Die Fahrt ging über Nacht vom Daedalus zum Elphinstone. Leider war die See immer noch sehr rau, so dass vielen das Schlafen wieder schwer fiel. Pünktlich um 5:30 Uhr war wecken und es sollte über die Nordspitze zum Haie-Schauen gehen. Wegen des Wellengangs hatten nicht alle Lust, diesen Tauchgang mitzumachen. Schon das Einsteigen ins Schlauchboot gestaltete sich schwierig und die Fahrt zur Spitze war mit ziemlichen Turbolenzen verbunden. Dadurch war es für den Bootsführer auch schwer, den richtigen "Abwurfpunkt" zu treffen. Bei unserer Gruppe klappte das leider gar nicht und wir hatten Mühe, auf die vorgesehene Ostseite zu kommen. Von einem Tauchen in Richtung der Nordspitze konnte gar keine Rede sein. So war dieser erste Tauchgang in erster Linie ein recht angenehmer Strömungstauchgang, jedoch ohne irgendwelche spektakulären Sichtungen. Beim Wiedereinsteigen ins Schlauchboot verlor ich noch zu allem Übel eine Bleitasche.
Das anschließende Frühstück entschädigte jedoch für den Ärger und so war ich recht schnell wieder versöhnt.
Beim nächsten Tauchgang hatte ich mir dann aus einem Gurt einen Bleitaschenersatz gebastelt, der sich fast genau so gut bewährte, wie die Originalbleitaschen. Es ging entlang der Westseite des Elphinstone. Gleich zu Anfang schwamm uns ein kleiner Weißspitzenhai über den Weg. Ich konnte gerade noch Haymo ein Zeichen geben, der sehr vertieft in seinen Weißabgleich mit der Kamera war, so dass auch er ihn noch sehen konnte. Ansonsten gab es bei diesem Tauchgang noch einen großen Kugelfisch, Barrakudas und große Thunfische zu sehen. Wir waren gerade aus dem Wasser und mit dem Umziehen fertig, als die Glocke schellte. Robby kam aus dem Wasser und hatte seinen 700. Tauchgang absolviert. Mal schauen, ob er darauf heute Abend einen ausgibt. Auch bei diesen beiden Tauchgängen am Elphinstone waren wir die meiste Zeit das einzige Tauchboot. Kurzzeitig kam zwar ein Speed-Boot vom Festland vorbei, nachdem aber die mitfahrenden vier Taucher offensichtlich massive Probleme mit den vorherrschenden Bedingungen hatten, verschwand es sehr schnell wieder. Man kann also sagen, auch hier waren wir eigentlich allein.
Nach den turbulenten Tauchgängen an windigen Stellen war es an der Zeit, eine ruhigere Stelle zu suchen. Daher ging es nach den zwei Tauchgängen am Elphinstone nach Abu Dabab, einem halbwegs geschützten Platz mit geringer Tiefe und Sandboden. Trotzdem hat das Riff ein paar interessante Sachen zu bieten. Insbesondere sind das der Tunnel durch das Riff sowie sehr zerklüftete Bereiche, in denen sich manch interessantes Tier versteckt.
Der Nachmittagstauchgang war pure Entspannung. Reinspringen und Riff linke Schulter, bis 100 bar und das Ganze wieder zurück. Die Höhepunkte meines Tauchgangs war neben den Tunneln im Riff zweifelsohne eine ziemlich große Moräne, die uns nach ausführlichem Photo Shooting mit Putzerfisch im Maul auch noch die Freude machte, ihre Höhle zu verlassen, ein gutes Stück frei durchs Wasser zu schwimmen und sich dann an einer neuen Stelle wieder für die nächste Gruppe Taucher zu postieren. Ein weiterer Höhepunkt war ein fast ein Meter großer Kugelfisch, der sich unter einer Tischkoralle zurückgezogen hatte und der sich auch in aller Ruhe von allen Seiten zeigte. Zusätzlich dazu gab es noch hübsche Schnecken, die erwartungsgemäß unseren Haymo faszinierten, und etliche Blaupunktrochen, die sich ebenfalls zeigten. Leider gab es bei diesem Tauchgang auch ernstere Materialverluste. So wurde Happy-Divers Kamera vollständig gewässert. Dadurch war sie zwar hinterher sauber, verweigerte jedoch jeglichen Dienst. Mal schauen, ob das Wässern mit Süßwasser und das anschließende Trocknen die Kamera wiederbelebt. Große Hoffnung besteht jedoch nicht. Vielleicht gelingt es ja zumindest, die Speicherkarte zu retten, damit die Urlaubseindrücke nicht ganz verloren gehen…
Zur Freude der Meisten hatte sich inzwischen der Wind etwas gelegt und alle hofften, dass es mindestens so bleibt oder gar noch besser wird, denn es standen ja noch die Brother Islands auf dem Programm.
Aber erst einmal kam ja noch ein Nachttauchgang, und da wir uns am Abu Dabab (2 & 3) befanden, durfte es dieses Mal auch ein echter Nachttauchgang werden, da wir an den vorherigen Tagen immer an Stellen gewesen waren, an denen Nachttauchgänge verboten gewesen waren.
Ein wunderschöner Abschluss des Tages vor der Fahrt zu den Brother Islands war das Grillfest, welches die Mannschaft für uns veranstaltete. Neben Truthahn gab es allerlei Aufläufe, Gemüse, Fisch   also alles, was das Herz begehrt. Ich frage mich immer, wie die "Küchenjungs" es hin bekommen, in einer so kleinen Küche so tolle Sachen zu zaubern. Schon die Größe des Truthahns würde an meine Küche zu Hause eine Riesenherausforderung darstellen. Am Ende waren 20 Mann (und auch Frau) satt und von allem noch etwas übrig.
Nach dieser Stärkung sprangen die Motoren an und es ging in Richtung Brothers. Das Wetter hatte sich so weit beruhigt, dass es nach den unruhigen Nächten der Vortage für Viele wieder möglich war, eine Nacht durchzuschlafen.

 

25.4.10 - Sonntag

 

Nach etwa achtstündiger Fahrt kamen wir zwischen 4 und 5 Uhr an den Brother Islands an. An diesem Tauchplatz war klar, wir würden nicht die Einzigen sein. Während am kleinen Bruder schon sechs Safariboote standen, was also 120 Taucher bedeutete, waren am großen Bruder, wo wir zuerst fest machten, kein Boot. Das änderte sich jedoch bis zum Morgentauchgang, bis zu dem zwei weitere Safariboote eingetroffen waren.
Zur Freude derer, die das Schlauchboot schon etwas leid waren, führte uns der erste Tauchgang des Tages auf das Süd-Plateau. Hier herrschen noch relativ moderate Tiefen zwischen 35 und 45 Metern. Auf dem Plateau kann man noch die Reste eines Safariboots sehen, was 2005/2006 nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Boot gesunken war. Hinsichtlich der Tierwelt gab es während des Tauchgangs nicht viel Spektakuläres. Zweimal gab es "Hai-Fehlalarm", einen großen Napoleon und einige Barrakudas. Das war es schon.
Im Anschluss an den Tauchgang gab es wieder das gewohnt leckere Frühstück und danach eine längere Pause, denn für den ersten Tag an den Brothers hatten wir (nur) drei Tauchgänge vorgesehen, da außerdem noch eine Besichtigung des Leuchtturms angesetzt war. Ich nutze die Zeit zwischen erstem und zweitem Tauchgang, neben dem Schreiben des Berichts, zu intensiver Augenpflege   also zum Schlafen.
Der nächste Tauchgang ging dann zur "Aida". Das ist das Wrack eines Frachters, der 1957 den Steg bei sehr starkem Sturm verfehlt hatte und voll auf das Riff gekracht war. Es waren jedoch rund 100 Soldaten an Bord, die auf der Insel stationiert werden sollten (es herrschte gerade ein Konflikt mit Saudi Arabien). Die räumten den kompletten Frachter leer. Es war offensichtlich viel Zeit, denn im Schiff ist nichts mehr an Einbauteilen zu sehen. Nach der "Besichtigung" des Wracks ging es auf der Westseite wieder zurück Richtung Schiff.
Nach einem wie immer angenehmen Mittagessen ruhten wir uns ausgiebig aus, um dann frisch zum dritten und letzten Tauchgang des Tages zu starten.
Dieser führte uns zur Numidia, einem wunderschönen Wrack, welches bereits 1901 bei ruhiger See an den Big Brothers gestrandet war. Böse Zungen behaupten, der erste Offizier, der das Schiff gesteuert hatte, wäre komplett betrunken gewesen, sonst hätte man einen solchen Fahrfehler nicht machen können. Die Numidia ist ein ganzes Stück größer als die Aida und da sie bereits vor langer Zeit gesunken ist, ist sie inzwischen Teil des Riffs geworden und wunderschön bewachsen. Etwa in der Hälfte des Schiffes steht ein Mast fast senkrecht nach oben, dessen Spitze sich bei rund 40 m Tiefe befindet. Wer möchte, kann in der gleichen Tiefe in das Wrack eintauchen und sich dann nach oben arbeiten, um es bei rd. 20 m wieder zu verlassen. Insgesamt handelt es sich hier um einen sehr tiefen Tauchgang, bei dem man öfter mal auf dem Computer nach der Nullzeit schauen sollte. Am Wrack selbst wohnt noch ein großer Napoleon, der sehr gern die Taucher begleitet. Ein schönes Fotomotiv.
Nach der Sichtung des Wracks tauchten wir dann auf der Westseite zurück in Richtung Boot. Es gab noch ein paar größere Tunfische und ein paar Barrakudas an einer Putzerstation zu sehen.
Im Anschluss an den Tauchgang gab es Vesper. Erwähnt werden soll an dieser Stelle, dass die Mannschaft zum Vesper immer ausgesucht wohlschmeckenden, frisch gepressten Saft kredenzte. Mal Banane, mal Granatapfel und immer ober lecker.
Der letzte Programmpunkt vor dem Abendbrot war dann noch der Besuch des Leuchtturms auf den Big Brothers. Wer wollte, konnte die unzähligen Stufen hinaufsteigen, um von oben eine herrliche Aussicht zu genießen. Aber auch wer nicht Treppen steigen wollte, kam auf seine Kosten: spazieren gehen (ein echter Luxus, wenn man eine Woche auf einem Schiff ist), Wasserpfeife rauchen, Tee trinken und als Souvenir noch ein T-Shirt kaufen. Nach etwa einer Stunde ging es dann wieder zurück aufs Boot, wo man uns gleich mit dem Abendbrot begrüßte. Danach gingen dann alle recht schnell ins Bett, denn die See hatte sich beruhigt und alle sehnten sich nach schaukelfreiem Schlaf.

 

26.4.10 - Montag

 

Es sollte der Tag der Haie werden, aber dass wussten wir am Morgen natürlich noch nicht. Also der Reihe nach.
Für den ersten Tauchgang war noch einmal das Wrack der Numidia geplant. Im Gegensatz zum Vortag waren wir die Einzigen am Platz und es machte gleich noch einmal soviel Spaß. Nach einer ausgiebigen Runde mit dem Napoleon ging es dieses Mal über die Ostseite zurück. Der Napoleon begleitete uns ein gutes Stück.
Nach dem Frühstück setzten wir dann zum Little Brother über. Dort waren bereits vier weitere Boote, was mich zunächst abschreckte, sich später aber als harmlos herausstellte, da wir die meiste Zeit allein unterwegs waren.
Der erste Tauchgang ging vom Boot aus zum Südostplateau des Riffs. Es dauerte auch gar nicht lange, da sahen wir den ersten Fuchshai. Anschließend gab es wunderschöne Gorgonien und gleichzeitig den Punkt zum Wenden. In diesem Moment zeigte sich ein zweiter Fuchshai. Noch viel näher als der erste, mit einer wunderschönen Schwanzflosse, die ja fast ein Drittel seiner Länge ausmacht. Danach ging es zurück zum Boot, und beim Sicherheitsstopp in fünf Meter Tiefe hatten Haymo und Bau-Jens das große Glück, doch tatsächlich einen Longimanus zu sehen.
Beim nächsten Tauchgang ging es zum Nordwestplateau der Insel. Die erste Gruppe hatte noch das Glück, einen grauen Riffhai in der Putzerstation anzutreffen. Bei der zweiten Gruppe ließ sich dort "nur noch" ein Barrakuda putzen. Auf dem Rückweg gab es dann noch ein paar richtig große Thunfische und zwei fette Muränen. Die waren jedoch am Schlafen und überhaupt nicht gewillt, ihren Kopf rauszustrecken. Gleichzeitig stellte dieser Tauchgang für meine beiden Buddys jeweils ein Jubiläum dar. Haymo loggte seinen 200. und Bau-Jens seinen 222. Tauchgang. Der Abend war gesichert!
In der Zwischenzeit hatten sich im Bereich der ankernden Safari-Schiffe zwei Seidenhaie eingefunden, die man in unregelmäßigen Abständen sehr gut vom Schiff aus sehen konnte. Das machte Hoffnung auf den nächsten Tauchgang. Und der sollte alles bisher Dagewesene toppen.
Wir bewegten uns wieder von der Süd- zur Ostseite des Schiffes. Gleich nach dem Abtauchen kamen uns zwei Grauhaie in unterschiedlicher Richtung entgegen. Danach folgte ein Hammerhai. Nach dem Umkehrpunkt kamen zwei Gruppen von Thunfischen, eine größere Gruppe von "Halbwüchsigen", die durch unsere Luftblasen sichtbar etwas irritiert waren und sich nicht durch trauten, und dann gab es noch eine Gruppe mit richtig, richtig großen Thunfischen, die auf der Suche nach Abendbrot waren. Nach dieser Begegnung machten wir uns auf die Suche nach den Seidenhaien und tatsächlich hatten wir Glück, noch einen Größeren zu sehen. Leider ließ die Strömung kein weiteres Verweilen an dieser Stelle zu.
DAS war ein Tauchtag! Abgesehen davon, dass es ausreichend Gesprächsstoff für mehrere Tage gab, wurden am Abend die beiden Jubiläen noch ausgiebig gefeiert, jedoch immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es morgen wieder früh raus geht.
Am Nachmittag hatte sich leider unsere Trinkwasseranlage verabschiedet, so dass nicht ausreichend Wasser zum Duschen produziert wurde. Glücklicherweise half uns jedoch das Schwesterboot der Golden Dolphin II, die Golden Dolphin III, mit einigen Tonnen Wasser aus, so dass die Mannschaft genug Zeit hatte, um die Aufbereitungsanlage zumindest eingeschränkt wieder in Betrieb nehmen zu können. An dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön dafür.

 

27.4.10 - Dienstag

 

Eigentlich wollten wir die Nacht am Little Brother bleiben, doch die Strömung ließ das nicht zu. Also entschied sich der Kapitän, hinüber zum Big Brother zu fahren, der ja nur einen Steinwurf entfernt liegt. Wir parkten dort also in der zweiten Reihe bis kurz nach Mitternacht, danach setzte die Crew wieder zum kleinen Bruder um. Ich habe während des Schlafens in meiner Kabine davon nichts mitbekommen. Lediglich diejenigen, die an Deck schliefen, wurden durch die Kommandos und die Mannschaft geweckt. Insgesamt wurde dieses kleine Manko jedoch dadurch mehr als wettgemacht, dass wir kaum Schaukelbewegungen durch die Strömung in der Nacht hatten. Das nütze aber leider denen nichts, die durch das Schnarchen des Kabinengenossen kein Auge zu tun konnten, denn dafür kann ja die Mannschaft nun wirklich nichts.
Als die Sonne aufging und das Meer relativ ruhig (im Vergleich zu den vergangenen Tagen) vor uns lag, wurde beschlossen, noch drei weitere Tauchgänge an den Brothers durchzuführen.
Der Morgentauchgang vor dem Frühstück führte uns dann zum Nordplateau, wo wieder zielsicher ein grauer Riffhai auf uns wartete. Er sollte während des Tauchgangs nicht der Letzte bleiben, es zeigte sich nämlich noch ein zweiter. Außerdem gab es noch etliche Barrakudas, die sich oben auf der Riffkante von den Putzerfischen die Zähne putzen ließen, mehrere große Thunfische, die auf der Jagd nach einem brauchbaren Frühstück waren und einen großen Napoleon, der schauen wollte, welche Taucher denn heute am Riff seien.
Anschließend gab es wieder ein reichhaltiges Frühstück und die Möglichkeit, noch eine Stunde zu schlafen, bevor es zum nächsten Tauchgang ging.
Diesen verbrachten wir auf der Südseite des Riffs zusammen mit einem Napoleon, der uns den gesamten Tauchgang, solange wir direkt am Riff waren, begleitete. Ich dachte zwar schon ein paar Mal, dass er die Nase von uns voll hat und verschwunden sei, nur damit im nächsten Moment ein großer Schatten über meinem Kopf erschien, um zu sagen, ich bin wieder da. Der war so zutraulich, dass er Haymo sogar seinen Kussmund hinstreckte. Zuerst ging Haymo darauf ein, als der Fisch jedoch nur noch wenige Zentimeter von ihm entfernt war, machte Haymo dann doch einen Rückzieher und ließ sich nicht küssen. Wer weiß, vielleicht war der Napoleon eine verzauberte Prinzessin? Wir werden es leider nie erfahren...
Neben einer frei schwimmenden Moräne, die sich bei 30 m Tiefe über das Plateau bewegte, war ein großer Seidenhai der nächste Höhepunkt. Wie schon am vergangenen Tag, sichteten wir den Hai im flachen Wasser direkt unter den ankernden Safari-Booten. Ich muss jedoch gestehen, dass die Begegnung mit dem Napoleon, nach den ganzen Haisichtungen der letzten Tage, fast schon das schönere Erlebnis dieses Tauchgangs darstellte. Da unser Boot wegen der Strömung wieder umgesetzt hatte, hatten wir Schwierigkeiten, es wieder zu finden. Erschwerend kam noch hinzu, dass nur eine der beiden Leitern ausgeklappt war, so dass wir keine Chance hatten, es zu erkennen. Also entschlossen wir uns am Ende, uns zum letzten Standort des Bootes zu begeben, dort aufzutauchen und uns mit dem Schlauchboot abholen zu lassen. Leider produzierte unser Happy Diver einen weiteren Punkt auf unserer Safari-Verlust-Liste: er versenkte beim Einsteigen ins Schlauchboot seine Flosse und war darüber natürlich gehörig traurig.
Nach dem Mittag und der anschließenden Mittagsruhe wurde abgestimmt, ob es ein weiterer Tauchgang am kleinen Bruder werden sollte oder ob das Schiff noch mal zum großen Bruder umsetzen sollte, bevor es zurück nach Hurghada gehen würde. Die Mehrheit entschied sich für einen Tauchgang am kleinen Bruder, denn die See war inzwischen fast windstill und das Wasser stand sehr hoch, so dass wir mit den Schlauchbooten direkt über das Nordplateau hinweg fahren, dort reinspringen und uns dann um die Nordspitze mit der Strömung zum Boot zurück treiben lassen konnten.
An der Nordspitze gab es wieder einen grauen Riffhai, der in relativ geringer Entfernung an uns vorbei zog. Etwas später kam aus dem Blau noch eine große Hochsee-Makrele, die schon sehr beachtliche Abmaße hatte. Danach begaben wir uns wieder in den oberen Teil des Riffs und schauten auch mal übers Riffdach (was nur durch den hohen Wasserstand möglich war) und sahen den Thunfischen und Barrakudas zu.
So endete unser letzter Tauchgang am Little Brother. Insgesamt gab es hier keinen Tauchgang ohne Haie und ich habe noch nie so viele verschiedene Haiarten an einem Tag gesehen wie hier.
Danach machte sich unser Boot auf den langen Weg in Richtung Hurghada. Der Kapitän gab als Prognose Mitternacht als Ankunftszeit in Hurghada an. Viele nutzten die Zeit für etwas Sonnenbaden, denn die Temperaturen waren seit dem Wegfall des Windes der letzten Tage sehr deutlich gestiegen und die Sonne brannte erbarmungslos. Für meinen Geschmack war das schon ein bisschen zu viel des Guten.
Auf der Überfahrt nach Hurghada gab es noch einen Grillabend mit der Mannschaft auf dem Oberdeck. Es gab neben vielen anderen Speisen gegrillten Hammel. Alles hervorragend und von allem viel zu viel. Wir ließen den Abend dann noch bei einem kleinen Umtrunk ausklingen.

 

28.4.10 - Mittwoch

 

Wie angekündigt kamen wir gegen 23 Uhr in Hurghada an. Die See war relativ ruhig, so dass wir gut schlafen konnten. Für die letzten zwei Tauchgänge lagen wir am Gotha Abu Ramada. Beim ersten Tauchgang gab es neben dutzenden Schnuppertauchern aus Hurghada einen Krokodilfisch, mehrere Napoleons, viele Nemos und wunderschöne Weichkorallen zu sehen.
Danach gab es erst einmal Frühstück und anschließend ein wenig Ruhe für die, die in der letzten Nacht nicht so viel geschlafen hatten. Ich hörte, dass irgendwelche Typen die Nacht bis halb drei Uhr die Welt verbessert haben.
Beim anschließenden Tauchgang waren viele Höhepunkte flacher Tauchplätze zu sehen. Eine Weiße Moräne, eine Goldene Moräne, einen Drachenkopf und mehrere Rotfeuerfische. Außerdem gab es noch den Kunststoffhai, der aufgeschlitzt mit einem Messer an diesem Riff versenkt wurde.
Danach ging es in den Hafen von Hurghada. Auf der Fahrt dorthin gab es noch die obligatorischen Daten und Zahlen (siehe unten) und die Verabschiedung von der Crew, die Übergabe der Trinkgeldumschläge und das Gruppenfoto.
Am Abend stand noch die Geburtstagsfeier vom Macho aus. Mal sehen, wie die werden würde.

 

Verlustliste:

 

- Kamera abgesoffen: Happy
- Flosse verloren: Happy
- Boje verloren: Happy
- Sack für die Bleitasche verloren: Happy
- Messer verloren: Frosti
- Computerarmband gerissen: Frosti
- Blitzer abgesoffen: Kerstin
- D-Ring abgerissen (Jacket) : Kerstin
- Unterzieherreißverschluss: Heiko
- Messerscheide kaputt: Heiko
- Retraktor weg: Kerstin
- Bleitasche verloren: D-P
- Mundstück gerissen: D-P
- Reißverschluss Tauchanzug Bein: Haymo
- Messerband gerissen: Robby
- Jacket geerdet: Robby
- Tauchanzug Naht gerissen: Krissi
- Handydisplay kaputt: Hans
- Brillenglas links verloren: Ursel

 

Daten und Zahlen

 

- 550 km gefahren
- 6,5 Tonnen Diesel verbraucht (1 Tonne für Strom)
- 17 Tonnen Frischwasser verbraucht
- 850 Liter Trinkwasser getrunken
- 600 Eier
- >500 Kaffee
- rd. 400 gefüllte Tauchflaschen davon rd. 300 Nitrox und 100 Pressluft

 

Deko-Paul